Wie schreibt man Korrekturlesen richtig?

Selbst unter Lektoren und Korrektoren gibt es hinsichtlich der Schreibweise des Wortes Korrekturlesen in unterschiedlichen Kontexten und seinen diversen Varianten Streitigkeiten. Die Online-Version des Duden ist in diesem Fall auch keine Hilfe. Aus diesem Grund wollen wir Ihnen einige richtige und falsche Beispiele an die Hand geben, damit Sie bei der Verwendung des Wortes Korrekturlesen weniger Unsicherheit verspüren. Und selbst bei diesen Beispielen wird der eine oder andere Kollege eine andere Meinung haben.

Je nachdem, in welchem sprachlichen Kontext man das Wort einsetzt, gibt es unterschiedliche richtige und falsche Schreibweisen. Hier ein paar richtige Beispiele:

  • Das Korrekturlesen ist die Königsdisziplin der Sprachfanatiker.
  • Ich lese Ihr Buch Korrektur.
  • Sven wird Ihr Manuskript Korrektur lesen (korrekturlesen).
  • Wollen Sie Ihre Bachelorarbeit Korrektur lesen lassen (korrekturlesen lassen)?
  • Können Sie mein Werk bitte Korrektur lesen (korrekturlesen)?
  • Könnten Sie sich bitte endlich dazu aufbequemen, meinen Text Korrektur zu lesen?
  • Das korrekturgelesene (Korrektur gelesene) Buch erfreute sich großer Beliebtheit.
  • Svenja liebte es, Gedichte Korrektur zu lesen (korrekturzulesen).
  • Herr Hardt hat die Bewerbungen Korrektur gelesen.

Falsch sind folgende Schreibweisen:

  • Das Korrektur lesen ist die Königsdisziplin der Sprachfanatiker.
  • Ich lese Ihr Buch korrektur.
  • Sven wird Ihr Manuskript Korrekturlesen.
  • Svenja liebte es, Gedichte korrektur zu lesen.
  • Herr Hardt hat die Bewerbungen korrektur gelesen.

Warum schreiben so viele Lektorate „Hausarbeit Korrekturlesen“?

Viele Korrektoren werben in Überschriften mit den Wörtern „Bachelorarbeit Korrekturlesen“, „Masterarbeit Korrekturlesen“ etc., obwohl diese Schreibweise nur bei bestimmter Betrachtung richtig ist:

Die Version ist zwar richtig, wenn man die beiden Wörter getrennt voneinander sieht. Also: Art der Arbeit (Hausarbeit), Art der Dienstleistung (das Korrekturlesen).

Sieht man die beiden Wörter jedoch im inhaltlichen Zusammenhang, müsste es eigentlich Korrektur lesen (oder auch korrekturlesen) heißen. Doch die meisten Lektorate orientieren sich an der Schreibweise der Auftraggeber, und diese ist laut Keyword-Tools (anhand welcher sich von der Mehrheit der Sprachnutzer verwendete Begriffe ermitteln lassen) nun einmal in den meisten Fällen die oben genannte Version.

Was wird bei dem Korrekturlesen getan?

  • Tipp- und Rechtschreibfehler werden beseitigt.
  • Grammatikfehler werden korrigiert.
  • Zeichensetzungsfehler werden behoben.
  • Vereinheitlichungen werden vorgenommen wie z. B. eine Kleinschreibung von „du“, „deine“ etc.
  • Je nach Vereinbarung kann das Korrekturlesen auch eine Optimierung des Stils und Ausdrucks beinhalten.
  • Je nach Abmachung können bei dem Korrekturlesen auch inhaltliche Fehler angemerkt werden.
  • Je nachdem, was vereinbart wurde, werden auch Formatierungsfehler behoben.

Wird das Korrekturlesen nicht bereits von Word übernommen?

Manche unserer Kunden (darunter war sogar eine ehemalige Chefredakteurin) waren vor unserer Beauftragung der Meinung, Word würde das Korrekturlesen bereits erledigen. Dass dem nicht so ist, hat diesen Kunden unser Korrektorat gezeigt. Denn: Word mag zwar viele Tippfehler identifizieren, ist aber nicht dazu in der Lage, alle Fehler zu erkennen. Beispiele für diesen Umstand:

  • Oft wird etwas weggeräumt, dass später noch einmal benötigt werden könnte. (Anmerkung: Hier muss das „das“ mit nur einem „s“ geschrieben werden, Word erkennt diesen Fehler jedoch nicht.
  • Mit ihrem eleganten Tanzstiel machte Ingrid auf sich aufmerksam. (Anmerkung: Hier muss das Wort „Stil“ selbstverständlich ohne „e“ geschrieben werden.)
  • Eduard hatte viele Schüler und er liebte das. (Anmerkung: Hier fehlt das Komma vor dem „und“. Viele meiner Auftraggeber sind der Meinung, vor einem „und“ dürfe nie ein Komma gesetzt werden. Werden jedoch zwei Sätze, die für sich alleine stehen können, mit einem „und“ verbunden, so gilt diese Ausnahme. Das ist übrigens nur eine von mehreren Ausnahmen zu dieser Kommaregel.)

Was ist der Unterschied zwischen dem Korrekturlesen und dem Lektorat?

Ist ein Text bis auf ein paar Tippfehler einwandfrei, kann ein Lektorat durchaus darin bestehen, einen Text Korrektur zu lesen. In den meisten Fällen jedoch ist das Korrekturlesen bei Weitem nicht deckungsgleich mit dem Lektorat, bei welchem inhaltliche Fehler behoben werden und bei welchem der Text vor dem Hintergrund seiner Textsorte gesehen wird.

Wieviel darf das Korrekturlesen kosten?

Manche Korrektoren verlangen 4 € pro DIN-A4-Seite. Wir finden das zu teuer, insbesondere dann, wenn eine Seite besonders wenige Fehler enthält. Deshalb bieten wir das Korrekturlesen für Texte mit durchschnittlich vielen Fehlern für 2 € pro DIN-A4-Seite an bzw. für 1,50 €, wenn der Text besonders wenige Fehler enthält.

Wer ist für das Korrekturlesen geeignet?

Personen, die in der Schule eine gute Deutschnote hatten, fühlen sich häufig dazu befähigt, Texte Korrektur zu lesen. Germanisten jedoch haben sich wesentlich intensiver mit der Deutschen Sprache beschäftigt, weshalb als Korrektor ein Absolvent der Deutschen Sprachwissenschaft bevorzugt werden sollte.

Korrekturlesen als Job – wie angelt man sich einen Job als Korrektor?

Wie die aktuellen Stellenanzeigen zeigen, gibt es kaum Jobs für Korrektoren. Das mag daran liegen, dass von einem Redakteur oder Texter bereits erwartet wird, fehlerfreies Deutsch zu produzieren. Wer dennoch eine Stellenanzeige findet, in welcher ein Korrekturleser gesucht wird, wird erfolgreich sein, wenn er oder sie bereits ein positives Arbeitszeugnis, welches für eine Korrektorenstelle ausgestellt wurde, vorlegen kann. Doch auch in diesem Fall gibt es keine Erfolgsgarantie, etwa wenn sich mehrere ähnlich oder sogar noch besser qualifizierte Bewerber für dieselbe Stelle interessieren.

Wie behält man einen Job als Korrektor?

Um im Beruf des Korrekturlesers zu bestehen, ist es wichtig, sich intensiv mit der Sprache auseinandergesetzt zu haben. Selbst gute Korrektoren stoßen beim Korrekturlesen auf sprachliche Unsicherheiten und merzen diese aus, indem sie unterschiedliche Bücher und Websites konsumieren, die diesen sprachlichen Problemen auf den Grund gehen. Beispiele für solche Websites: duden.de oder korrekturen.de. Ein Buch, welches für jeden Korrektor ein Muss ist: „Das Wörterbuch der sprachlichen Zweifelsfälle: Richtiges und gutes Deutsch“.

Über die Autorin: J. Dörfler hat Germanistische Linguistik im Magisterhauptfach studiert und ist seit 2010 als Lektorin tätig. Sie ist Inhaberin der Lektorate Redigieren.org sowie Korrektorat24.com.